Unser Co-Kapitän meldet sich aus Fernost

WM-Kolumne aus China mit Vladimir Lucic

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Die Basketball-Weltmeisterschaft in China (31.8 – 15.9./alle Spiele frei auf MagentaSport) läuft, der FCBB ist mit fünf Spieler dabei: Kapitän Danilo Barthel, Maodo Lo und Paul Zipser kämpfen nach dem deutschen Vorrunden-Debakel noch um die Teilnahme an einem Quali-Turnier für Olympia 2020, während ihr neuer Teamkollege Mathias Lessort mit Frankreich (am Mittwoch elf Punkte beim 90:56 gegen die Dominikanische Republik) ebenso auf Kurs ist wie der große Mitfavorit Serbien mit Vladimir Lucic (Vorrunde: 20,5 MpS, 4,3 PpS, 2,3 RpS).

Hier liefern wir Euch ihre Eindrücke vom Turnier, heute meldet sich unser Co-Kapitän „Lucca“ Lucic:

Hallo zusammen,

viele Grüße aus Wouhan, wohin wir nach der Vorrunde von Foshan umgezogen sind: aufstehen um 6 Uhr 30, zwei Stunden zum Flughafen, knapp zwei Stunden Flug und noch mal eine Stunde zum Hotel. Keine Ahnung, warum man bei so einem Turnier alle paar Spiele die Stadt wechseln muss.

Aber ich bin froh, dass ich hier bin, obwohl ich nach der Saison wirklich nur sechs, sieben Tage Urlaub hatte. Denn ich war zum ungünstigsten Zeitpunkt der Vorbereitung verletzt, nach einem Schlag auf den Quadrizeps: Ich habe sechs Vorbereitungsspiele verpasst und war mir letztlich nicht ganz sicher, ob ich im Team sein werde.

Deswegen fehlt mir offensiv vielleicht auch noch etwas der Rhythmus. Aber wir haben als Team so viel Talent mit großen Stars wie Bogdanovic, Jokic oder Bjelica. Mein Job sind jetzt erst mal die „dirty jobs“, und mich dann irgendwann in entscheidenden Momenten zu steigern. Diese Rolle ist okay für mich, mir ist es herzlich egal, ob ich zwei, vier oder 20 Punkte mache – wir zählen hier nur die Siege. Sie zählen.

Wegen meines Fehlens in der Vorbereitung spiele ich hier auch erstmals überhaupt mit Nikola Jokic zusammen. Bisher haben wir zwei uns noch nicht richtig gefunden, weil ich halt gefehlt habe – und weil er einfach ein ungewöhnlicher Spieler ist, mit einem außergewöhnlichen Stil. Ein bisschen zu fett, haben sie ja mal über ihn gesagt, aber jetzt hat er 140 Kilo und einen unglaublichen Body – und einen sagenhaften Touch. Es ist faszinierend, ihn aus der Nähe zu sehen, wie er sich auch hier im doch etwas anderen WM-Basketball zurecht findet.

Nicht nur wegen ihm: Ich würde sagen, dass ist eines der talentiertesten Teams, die wir jemals hatten. Natürlich wollen die Leute zuhause, dass wir Gold holen. Aber wir müssen trotz aller Euphorie demütig bleiben und nur das nächste Spiel als das wichtigste ansehen. So kommt man zum höchsten Ziel.

Wir haben ja gesehen, was bei so einem Turnier passieren kann. Ich habe zum Beispiel wirklich geglaubt, dass die Deutschen eine DER Überraschungen sein werden.

Nun ja, irgendwie sind sie das jetzt auch, aber anders als gedacht . . .

Ich hoffe, Danilo und die anderen halten den Kopf oben. Ich werde mich jetzt mal bei ihm melden, ich wollte aber zunächst mal die Vorrunde abwarten.

Wir sehen uns,

Euer

 

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