Auftakt am Donnerstag gegen Mailand

Die große Vorschau zur „stärksten EuroLeague“

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Nach dem bisweilen rauschhaften 111:53-Erfolg zum Bundesliga-Auftakt vor 5.700 Fans im Audi Dome über Neuling Hamburg Towers beginnt für die Bayern-Basketballer nur drei Tage später auch die neue EuroLeague-Saison. Armani Olimpia Mailand ist am Donnerstagabend (3.10., 20.30 Uhr) der erste Gegner in der Königsklasse, die in diesem Jahr erstmals auf 18 Teams aufgestockt wurde. So sind der französische Double-Gewinner Villeurbanne und Zenit St. Petersburg aus Russland erstmals im höchsten europäischen Wettbewerb dabei, Alba Berlin kann danke des Münchner Titelgewinns erstmals seit fünf Jahren wieder am begehrtesten europäischen Wettbewerb teilnehmen.

Sie alle sind wohl eher Außenseiter im Kampf um das Erreichen der Playoffs mit den besten acht Teams. Und ja, auch die Bayern, vergangene Saison mit 14 Siegen immerhin so erfolgreich wie noch kein deutsches Team und im Grunde nur einen Sieg von der K.o.-Runde entfernt (die noch kein deutsches Team schaffte), werden bei den aktuellen Expertentipps erst gar nicht als Playoff-Anwärter gehandelt.

Nihad hüpft durch die EuroLeague Level - Super Mario Style!

 

Transfer-Gewitter nicht nur über dem FC Barcelona

Das liegt weniger an der Zusammenstellung des Münchner Teams, „mit diesem Kader hätten wir wahrscheinlich vergangene Saison die Playoffs geschafft“, sagt FCBB-Geschäftsführer Marko Pesic selbstbewusst. Der Grund ist vielmehr das regelrechte Transfer-Gewitter, das die EuroLeague in diesem Sommer überzog: So viele Topstars wie noch nie wurden von den vermögendsten Klubs verpflichtet. „Die Playoffs sind auch in diesem Jahr für viele Teams ein sehr ambitioniertes Ziel, das gilt auch für uns“, betont Pesic. Und Trainer Dejan Radonjic sagt: „In diesem Format ist das sicherlich die beste und stärkste EuroLeague, die es bisher gab.“

Zum Beleg genügt nur ein Blick nach Barcelona, wo Pesic senior wirkt: Svetislav Pesic hat bei Barça wirklich einen Highlight-Kader beisammen, mit dem der 70-jährige Meistertrainer der Bayern (2014) den von ZSKA eroberten Titel übernehmen könnte. Zuletzt konnte er seinem Superteam als Krönung noch Malcolm Delaney (ehedem Atlanta Hawks und FCBB-Meister-Guard 2014) aufsetzen, nachdem zuvor Brandon Davies (EuroLeague First Team 2019 für Kaunas), Cory Higgins (Champion mit ZSKA 2016 und ’19), Alex Abrines (Oklahoma City Thunder) – und tatsächlich auch Nikola Mirotic verpflichtet wurden. Der Forward mit spanischem Pass erzielte vergangene Saison im Schnitt nicht weniger als 16,7 Punkte in der NBA für New Orleans. Jetzt gilt er als bestverdienender Basketballer in Europa.

Mailands Heilsbringer Messina holt Scola    

Die Akquise dieses Quintetts fügt sich jedoch nur logisch in einen verrückten Transfer-Sommer: Auch der erste FCBB-Gegner Mailand, im Vorjahr trotz monetärer Anstrengungen an den Playoffs gescheitert, hat sich wieder mächtig ins Zeug gelegt, angefangen beim Trainer: Ettore Messina, 60, der als Vereinscoach viermal die EuroLeague gewann und in den vergangenen fünf Jahren Co-Trainer der San Antonio Spurts war, soll der Heilsbringer sein.

Der Italiener Messina hat ein Team nach seinem Gusto zusammengestellt, ohne den letztjährigen Topscorer der EuroLeague, Mike James, dessen wertvollen Vertrag er einfach auflösen ließ – und der nun für ZSKA aufläuft.  Dafür holte Messina kurzerhand ZSKA-Star Sergio Rodriguez. Wie potent der vom Modezar Giorgio Armani geförderte, 28-malige italienische Meister ist, bewies er noch einmal diese Woche: Mailand verpflichtete überraschend den heimlichen Star der WM in China, die Power Forward-Legende Luis Scola, 39, der beim argentinischen Gewinn der Silbermedaille 19,2 Punkte und 8,1 Rebounds holte. Kopf des Teams ist der Serbe Vladimir Micov, Landsmann Nemanja Nedovic und Center Arturas Gudaitis fehlen dagegen noch verletzt.

Fenerbahce verpflichtete Williams und de Colo

Der Titel wird naturgemäß auch wieder über den amtierenden Champion ZSKA Moskau gehen. Das Team um den griechischen Chefcoach Dimitris Itoudis verstärkte sich unter anderem mit dem langjährigen NBA-Center Kosta Koufos (686 Spiele) und dem ehemaligen Washington Wizards-Guard Ron Baker. Zudem konnte der Titelverteidiger in Will Clyburn einen von der NBA umworbenen Forward für drei weitere Jahre binden.

Außerdem zählen Vorjahresfinalist Anadolu Efes Istanbul, das sein Team beisammenhalten konnte, Stadtrivale Fenerbahçe mit einem gewissen Derrick Williams sowie ZSKAs Champions-Guard Nando de Colo und der spanische Rekordchampion Real Madrid selbstredend zu den Cupanwärtern. Dazu die stets ambitionierten, griechischen Schwergewichte Olympiakos Piräus und Panathinaikos Athen, Israels Eliteklub Maccabi Tel Aviv, der Casspi Omri, 31, nach zehn Jahren NBA (und 588 Spielen) heimholte, das offenkundig ehrgeizige Khimki Moskau mit Devin Booker und Stefan Jovic  . . .

„Es wird in der EuroLeague nicht einfacher für uns“, sagt Marko Pesic, „so viele Teams haben sich unheimlich verstärkt, so einen Transfersommer hat es noch nie gegeben.“ Die Bayern indes haben sich auch etwas einfallen lassen, sie können einen Greg Monroe aufbieten mitsamt einem verschworenen Team um die langfristig gebundenen Charakterköpfe Vladimir Lucic und Nihad Djedovic. Der deutsche Meister tritt also trotz der großen Konkurrenz mit Ehrgeiz und Ambitionen an. Schon ab Spieltag eins gegen Mailand.

Der Spielplan der Bayern

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